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Farbiger Freudentaumel bei der Buchvernissage von Augusto Giacometti im Suvretta House

St. Moritz, 14.10.22 / Die Engadiner Buchvernissage der zweibändigen Biografie von Marco Giacometti, «Augusto Giacometti. In einem förmlichen Farbentaumel», fand am Freitagabend auf Initiative von Chasper Pult und Peter Egli im Suvretta House statt. Chasper Pult führte das kunstbegeisterte Publikum in das Werk des Bergeller Künstlers ein. Zum Leben erweckte Marco Giacometti die theoretischen Grundlagen mit authentischen Geschichten.
Ein Artikel von Stefanie Wick Widmer für die Engadiner Post, erschienen am 20.10.22

Antonio Giacometti, der Grossvater von Marco Giacometti, erbte 1947 Augusto Giacomettis Haus in Stampa. Darin verborgen fand sich ein wahrer Schatz. Über 500 Briefe und Postkarten von Augusto Giacometti, die dieser an seine Familie und Bekannten geschrieben hatte! Augusto Giacometti (*16.8.1877 in Stampa, 9.6.1947 in Zürich) zog aus dem Bergell in die weite Welt, reiste aber immer wieder nach Stampa zurück.

Um Neues zu entwickeln, Grosses zu schaffen, ist es unabdingbar, das Tal zu verlassen, die Welt zu entdeckten», ist Marco Giacometti, ein Nachfahre von Augusto Giacometti, überzeugt. Marco Giacometti, habilitierter Veterinärmediziner, erkannte die Bedeutung der Korrespondenz. Er suchte im Briefnachlass Verbindungen, ordnete die Schriftstücke und setzte sie zu einem neuen Ganzen zusammen. Es entstand die zweibändige Biografie «Augusto Giacometti. In einem förmlichen Farbentaumel». Während sieben Jahren arbeitete Marco Giacometti mit Herzblut und Forschergeist an der zweibändigen Biografie. Die geerbten Dokumente hätten Augustos Lebensjahre ab 1915 nur noch lückenhaft dargestellt. So durchstöberte Marco Giacometti hartnäckig Archive und Bibliotheken und suchte dort nach weiteren Puzzleteilen. «Ich traf Menschen, die Briefe von Augusto hatten. Diese und vor allem Briefe aus dem Nachlass des Wieners Hans Kestranek in der Bibliothek von Innsbruck ermöglichten, die Lücken zu schliessen, die Biografie fertig zu schreiben.»
Berührende Zitate aus der Korrespondenz und autobiografische Notizen Augustos verwebt Marco Giacometti gekonnt mit seinen Ausführungen zu einem lesefreundlichen, attraktiven Text. Die beiden Bände sind reich und prachtvoll illustriert.

Wegbereiter der Abstrakten Kunst
Augusto hatte das Ziel, die Schweizer Malerei zu erneuern. Er überwand den Futurismus, den Kubismus und gilt als einer der Wegbereiter der Abstrakten Malerei. Seine ersten abstrakten Bilder datieren aus dem Jahre 1909. In jenem Sommer arbeitete Augusto in Stampa und schrieb: «Ich bin in einem förmlichen Farbentaumel und habe in Form von Aquarellen Studien gemacht.» Dazu schrieb er später: «Die abstrakte Malerei verzichtet auf diese Überreste des Gegenstandes und drückt sich rein durch das Mittel der Malerei, also durch die Farbe aus.»
Die Zuhörenden wurden zu Sehenden. Höhepunkt des Abends: Sie durften fantastische Werke aus Privatbesitz, die Augustos Farbenvirtuosität und seinen Weg zur Abstraktion illustrieren, bestaunen. Die leuchtenden Farben brachten im würdigen Galeriesaal des Suvretta Houses viele Augen zum Leuchten.

Die grossen Giacomettis
Chasper Pult wollte von Marco Giacometti wissen, welche Momente Augusto Giacometti wohl traurig gestimmt hätten. «1903 ging die Ehe der Eltern von Augusto auseinander. Die Mutter Marta zog nach Bern, wo sie von da an als Hausangestellte ihren eigenen Lebensunterhalt verdiente.» Augusto habe darunter gelitten, dass ihm eine Familie, wie sie Giovanni und Annetta Giacometti lebten, verwehrt war. «Auch der Suizid seines Bruders und der Tod seiner Mutter trafen ihn sehr.»
Unter den 900 Briefen und Postkarten, die Marco Giacometti durchforstet hatte, fand er keine einzige Korrespondenz zwischen den Cou-Cousins Augusto und Giovanni Giacometti. «Gekannt haben sich die beiden bestimmt, in Stampa müssen sie sich auch immer wieder begegnet sein. Sie haben anders gedacht, anders gearbeitet. So führten sie keinen schriftlichen Dialog über ihre Kunst.»

Marco Giacometti hat sich während seiner Arbeitstätigkeit als Veterinärmediziner intensiv mit dem Sehen der Gämsen auseinandergesetzt, er hat Gamsblindheit miterforscht. Mit Passion bemüht er sich nun, die menschlichen Augen für die Künstlerfamilie Giacometti zu öffnen. Einerseits arbeitet er als Sekundarlehrer phil II in Stampa, anderseits ist er engagierter Präsident des Centro Giacometti im Bergell und stellt sich weitere Forschungsfragen. Auch Augusto und Alberto Giacometti pflegten kaum Kontakt. Warum? Hätte der arrivierte Augusto Giacometti den jüngeren Alberto Giacometti fördern sollen? Auf die Beantwortung solcher Fragen darf man sich freuen.

 



Fotos mit Chasper Pult und Marco Giacometti: Stafanie Wick Widmer

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Guido L. Luzzatto

Cosa potrebbe essere più gradevole, per la gente che ama l'arte in funzione della vita umana, che la visita di quelle abitazioni che non si sono trasformate in luoghi di memoria morti, ma che hanno conservato l'ambiente della vita dell'artista e che sono restate così come quando il pittore vi entrava e vi usciva?
Guido L. Luzzatto, in un articolo nella "Neue Bündner Zeitung" del 20 luglio 1954 intitolato "Visita nella casa nativa di Giovanni Giacometti"