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Augusto Giacometti visto da Maria Stona

Stampa, 16 agosto 2020 / Quasi 100 anni fa, nell'aprile del 1921, la scrittice slesiana Maria Stona pubblicò nel periodico Schweizerland un testo su Augusto Giacometti che vogliamo ripresentare in ricordo del suo compleanno. Augusto nacque 143 anni fa, il 16 agosto 1877. Stona traccia un'immagine dell'opera di Augustos che esalta la sua incredibile creatività, dedizione a mondi sensuali e forti di colore.

In seinem Zürcher Atelier arbeitet Augusto Giacometti, versenkt in seine Träume, die von glühenden Farbenwundern erfüllt sind. Kein Maler ist so ganz Farbenfreude wie er. Keiner sinnt den ewigen Gesetzen der Formen so selbstverloren nach wie er. Wenn man sich an Goethes Wort hält und die Entwicklung eines Künstlers von fünf zu fünf Jahren beachtet, dann hat man an Giacometti eine wahre Gottesfreude. Prachtvoll sind die Entwicklungen, die seine Kunst durchschritten hat, so prachtvoll wie selbstverständlich, jede mit der Gesetzmässigkeit der Natur hervorgegangen aus der frühern.


Augusto Giacometti, geboren zu Stampa in Graubünden, ist dem Wesen nach Deutscher, der Farbenlust nach Italiener.
Ich lernte ihn vor Jahren in Florenz kennen. Wie Leonardo da Vinci ging er in seiner edlen Männlichkeit durch die Strasse mit den braunen und doch goldig leuchtenden Augen, dem dunkelblonden Vollbart, der hohen, ein wenig schweren, von gesunder Urkraft zeugenden Gestalt. Giacometti stand damals in der zweiten Phase seiner Entwicklung. Sein bestes Bild aus seiner Frühzeit, die Nacht, war vom Museum in Zürich angekauft worden und zählt dort zu seinen Zierden. Es stellt ein wunderbares Weib vor, das im grünen besternten Kleid mit seltsamer Bewegung durch die grünnachttiefe Unendlichkeit gleitet. Das Bild zeigte noch die Schule Giacomettis, aber schon eine ganz eigene Behandlung der Farbe. Noch war es mit dem Pinsel gemalt.


Als ich Giacomettis Atelier in Florenz besuchte, fiel mir die Tupfmanier seiner Bilder auf. Bald darauf legte er die Farben mit der Spachtel auf die Leinwand und sparte grosse Flecke aus, die zu wunderbar zarten Wirkungen führten. Seine Bilder wurden Farbenstücke, immer mehr verschwand aus ihnen die feste Form, sie bildeten oft Lichtflecke von lieblicher Schönheit. In ganz eigenartiger Weise suchte Giacometti die Gesetze der Farbenwirkungen zu ergründen, indem er Tonleitern der Farben erfand, sie nebeneinander legte, sie durcheinander ordnete, immer das Hauptgewicht auf die Nebenfarbe legend, die allein die Macht hat, die Hauptfarbe zu voller Kraft zu erheben. Dem Unwissenden zeigten sich diese Farbentafeln bestenfalls als das Spielzeug von Kindern – dem Wissenden offenbarten sie sich als das suchende Tasten einer für sich selbst den höchsten Geheimnissen des Schaffens nachspürenden Seele. Aus solchen Studien entstanden Blumenbilder voll jubelnder Farbenfreude, die aber mehr die malerische Flachwirkung der Farben wiesen als die Form der Blume.


Und immer zog es den Künstler auch zu dieser Zeit zu den Sternen. Der Himmel mit seiner ewigen Gesetzmässigkeit gab ihm immer neue Fragen auf. Er sah die Planeten kreisen und sah sie als blaue Frauen durch die tiefdunkelblaue Tiefe schweben, er sah der Fixsterne zitternde Lichter, er versetzte den Menschenkreis in die Sterne. Bald grün, bald purpurn lockte es aus Weltentiefen. Zu jener Zeit sah er auch die Menschen in der Gesetzmässigkeit der Gestirne sich bewegen, er träumte hellgelbe Frauen wie junge Sonnen, die in goldenen Rasenflächen ruhten, die Knie spitz erhoben wie Bergesgipfel. Es enthüllte sich ihm das wunderbare an japanische Kunst gemahnende Wesen eines Wasserfalls, zwischen beeisten Felsen hinbrausend – ganz Weiss in Weiss voll zauberhaften Erlebens. Den Weltkreis zeigte er einem liebenden Paar im hellen Inhalt, den ein Regenbogen umspannte. Immer mehr ward Giacometti die Farbe zum Erlebnis, die menschliche Form in ihr zum Gleichnis.


Bestellungen kamen. Der Künstler entwarf ein Bild für die Universität in Zürich, es wurde in Mosaik ausgeführt, eine Kunstform, die Giacometti besonders gut lag, noch aus der Zeit, da er die Farbenflecke wie Mosaike nebeneinander gestellt hatte. Er entwarf die grossen Kirchenfenster in Chur, die ihm trefflich glückten, denn auch das gewaltige kirchliche Bild in den einfachen grossen Linien, durch das Mosaik der nebeneinander liegenden bunten Glasstücke geformt, fügte sich vorzüglich in seine künstlerischen Träume. Ein langer Fries spielender, hingleitender Kinder gab ihm Gelegenheit, in einem Farbenreigen von den zartesten bis zu den dunkelsten Tönen die mannigfaltigsten Kindergestalten hintänzelnd zu fesseln.
Vor wenigen Tagen – nach vier Jahren- habe ich Giacometti wieder besucht. Eine Reihe der neuesten Bilder stand an den Wänden seines lichten Ateliers. An ihnen konnte man so recht die Entwicklung dieses Künstlers erkennen. Da war noch ein Kätzchen, weissgelbschwarz gefleckt aus der florentinischen Punktierzeit, sehr wirkungsvoll, mit viel ausgesparter Leinwand, das Werk eines besondere Wege wandelnden Künstlers – noch ein wenig flach – wie das Liebespaar im Regenbogenkreis. – Doch daneben flammte und glühte eine neue Welt. Offenbarungen aus den mystischen Schauern einer einsamen Künstlerschaft. Die Punktierzeit war überwunden, die ausgesparte Leinwand gibt es nicht mehr. Farbenwunder von einer satten Tiefe bedeckten die Bilder. Hier ruhte Maria im gelben Gewand mit rührend schmerzvollen feinen Zügen, die Hände kindlich im Schoss aneinander gelegt, und sah auf das Kind, das vor ihr sass, zart und dürftig, in ebenso tiefgelbem Kleidchen. Zwei bunte Papageien schillern links im Vordergrund, während eine blaue Nacht sich in die Tiefe streckt, wunderbare Blumentrauben in ihr hängen und zur Rechten das purpurrote Dach einer Hütte sich niedersenkt. Von der Farbenfreude dieses Bildes und zugleich dem wehmütigen Ernst, der die Gestalt der Jungfrau umgibt, kann man sich keine Vorstellung machen, die kann nur das lebendige Schauen vermitteln.


Neben diesem frommen Bilde locken die prächtigsten Blumen – und Giacometti erzählt, welches Problem ihn an diese gefesselt, welches an jene. Wie hier die Sonne durch die Blüten der Wicken geleuchtet, wie der Hahnenkamm so eigen blau erschienen war, wo er am purpursten erglühte. Von den Sternen des Himmels fand Giacometti den Weg zu den Gestirnen der Erde, den Blumen. Noch ein dunkler Nachthimmel mit Kreisen und Linien – Giacometti erklärt mir den goldenen Schnitt, den ich natürlich nicht verstehe, ich versteh nur dass der Maler eine Phase seiner Entwicklung durchschritten hat – die Sternenwelt. Ich sage es ihm und er lauschte überrascht in sich hinab. «Ja, ja – ich glaube, es ist so.» Und nun stand ich gefesselt vor seinem merkwürdigsten Bild. «Es ist ganz abstrakt», sagte er entschuldigend. Nur Farben zeigt es, aber Welten von Farben, aus denen sich Urnebel ballen – «Man kann sich die Entstehung der Welten darunter denken» – –bemerkte er. Das hatte ich mir längst gedacht. Welche tropische Pracht glühte in dieser orangegoldflammenden Mitte, die dann zum Purpur verdichtet, sich ins Blau verdunkelte. Und immer dies Aufschimmern von Urnebelballen aus den Farbentiefen.


Das war nun ganz Giacometti, in diesem Bilde lag seine Seele, die suchende, farbentrunkene Seele, die so fern dem Alltag ist wie die Sterne, die durch das Weltall kreisen… Neben dem Bilde ein Glaswürfel, im Sonnenlicht gesehen, alle Farben in gesetzmässigen Linien spiegelnd – und eine merkwürdige Studie in gleichen halbkreisförmigen Linien. – «Kubistisch?» fragt’ ich befremdet. Ein paar gelbe Leitern, in den Farbentaumel gestellt, über die kleine Menschen hinkriechen. – «Das Innere eines Theaters», sagt Giacometti und holt ein Wasserglas herbei, das in Halbbogen geschliffen ist.
«Sehen Sie – hier stand Wasser im Glase – die Sonne leuchtete darauf. Da sah ich diese Formen und gebrochenen Halbkreise und malte daraus das Bild.» Andere können sich aus Bildern kein Bild machen. Der Künstler formt aus einem Stückchen Wirklichkeit ein Stück zauberhafter Phantasie. Giacometti zeigte mir den Entwurf zu der Ausschmückung eines Hauses in Zürich. Ganz prächtig und doch allgemein verständlich, in Ornamenten, durch das Getier und Menschlein sich schlingen. Noch andere Entwürfe zeigte er mir und auch ein Stück der Kirchenfenster von Chur in prächtiger Farbe und Linie. Und jetzt wies er auf die Wand mit verklärtem Leuchten seiner braunen Augen. «Sehen Sie – dort ist die ganze Welt. – Ich sah den Kreis der Regenbogenfarben wie in kleinen Täflein nebeneinander gestellt. Ich bin eigentlich durch diese einzelnen Farben geschritten und stehe jetzt im orangegelbem Kreis – so kommt es mir vor.»


«Ich denke oft darüber nach, ob die Malerei der menschlichen Gestalt nicht ganz entraten könnte?» sagte er gedankenvoll. «Sie ist so schwerfällig, wenn man ihr auch noch so viel Leichtes gibt.» - Gewiss, er wird in eine Phase treten, in der er der menschlichen Gestalt nicht bedürfen wird – aber wer ahnt es, welche Wege seiner Kunst sich ergeben werden? Er ist ein Maler der Farbe – und doch schreitet er wie mit geschlossenen Augen und gebundenen Händen durch die Reiche seiner eigenen Kunst.


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Roger Fayet

Stampa e la Bregaglia hanno rappresentato il punto di riferimento e di collegamento continuo fra quattro tra i più importanti artisti svizzeri: Giovanni, Augusto, Alberto e Diego Giacometti. Questa costellazione storica, con l’atelier ad oggi conservato e la collezione di tele nella Ciäsa Granda, offrono l’opportunità unica di presentare ad un largo pubblico l’opera bregagliotta di tutti e quattro questi artisti. L’Istituto svizzero di studi d’arte (SIK-ISEA) vede questa iniziativa con grande simpatia e si rallegra di sostenere dal punto di vista scientifico le attività per la realizzazione del Centro Giacometti.

Dr. Roger Fayet, direttore dell’Istituto svizzero di studi d’arte, Zurigo, 25.5.12