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Museumsort Stampa: weg vom potemkinschen Ansatz

Stampa, 9.11.18 / Die Amici del Centro Giacometti wählen am kommenden 23. November einen neuen Vorstand; sämtliche Bisherigen treten zurück. Dies ist die Gelegenheit für einige Grundsatzüberlegungen aus der Sicht des Präsidenten der gleichnamigen Stiftung. Die Amici sind Garanten dafür, dass die Bergeller ihre Verantwortung gegenüber eines Kulturerbes von Weltrang wahrnehmen: das Heimattal der Giacomettis. Dazu reicht es nämlich nicht aus, auswärtige Kunsthistoriker mit der Kuratierung von kleinen Sonderausstellungen zu betrauen oder interessierte Gäste ins Giacometti-Atelier zu begleiten.

Notwendig ist vielmehr eine eigenständige, gründliche Auseinandersetzung vor Ort mit der Geschichte der Familien von Stampa und mit dem Werk der Giacometti-Künstler. Dieses Bergell-eigene Wissen gilt es alsdann zu kontextualisieren und zeitgemäss zu vermitteln. Dafür setzt sich das Centro Giacometti ein. Bereits heute dient es vielen interessierten Gästen und Medienleuten als glaubwürdige, authentische und kompetente Anlaufstelle im Tal, immer wieder auch im Auftrag von Bregaglia Engadin Turismo. Es sind dies Menschen, die in Stampa und im Bergell Hintergrundwissen suchen und sich nach einem besonderen Kulturerlebnis sehnen.

Selbst wenn diese Rolle des Centro Giacometti im Bergell derzeit noch nicht breit wahrgenommen wird: sie ist von zentraler Bedeutung für eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema und notwendige Voraussetzung für eine glaubwürdige Werbung des Bergells durch BET, die touristische Vermarktungsstelle der Gemeinde Bregaglia.

Es geht also nicht darum, alles, was im Tal mit Kultur zu tun hat, unter einem Dach zu vereinen - zumal dieses Dach gehörig rinnt -, oder darum, das Infostellennetz aufzublähen. Gefragt ist vielmehr Arbeit vor Ort im Bereich der Kulturforschung und zeitgemässe Vermittlungsarbeit in angemessenem Ausmass.

Will das Tal der Welt von den Giacomettis erzählen, muss jene Lücke geschlossen werden, die mit dem Tod der letzten Zeitzeugen sowie des kompetenten Kurators des Talmuseums Dr. h.c. Remo Maurizio entstanden ist. Ansonsten verkommt das museale Angebot von Stampa zu einer Mogelpackung, zu einer blossen Fassade, die den Ruf des Tals und ihrer Bewohner insgesamt schädigt.

Gerade die Amici, die demnächst ihre Strukturen erneuern, werden dafür sorgen, dass ein im Jahr 2009 in Gang gekommener Prozess weitergeht, dass ein nächster Schritt erfolgt. Ein Prozess, der nach einem grundsätzlichen Nein Alteingesessener zum Ausbau des Giacometti-Angebotes ausgelöst wurde. Nur die Amici sind heute in der Lage, dafür zu sorgen, dass die Bergeller ihre Verantwortung erkennen und auch wahrnehmen. Eine moderne Gemeinde muss zur Sicherung und zur Erhaltung ihres einmaligen immateriellen Kulturerbes in der Lage sein und dafür auch einstehen. Dazu gibt es internationale Rechtsgrundlagen, welche die Schweiz umsetzt.

Den scheidenden Mitgliedern des Amici-Vorstandes geht bereits an dieser Stelle mein bester Dank für die erbrachten Leistungen.

Dr. Marco Giacometti, Presidente della Fondazione Centro Giacometti


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Marco Giacometti

Wir wollen versuchen, die Kumulation von Ereignissen in jenem kurzen historischen Moment zum Ausdruck zu bringen, in dem der radikalste Bruch in der Geschichte der modernen Bildhauerei durch Alberto Giacometti entstehen konnte. Die Bergeller Begebenheiten sind dafür von zentraler Bedeutung. Als Leitidee kann die Bedeutung der Frühförderung von Talenten gelten, die nicht nur im Sport oder in MINT-Fächern für die Laufbahn von Individuen ausserordentlich wichtig ist, sondern auch bei Disziplinen mit kreativem Hintergrund. Bei der Analyse der Laufbahnen aller Giacometti-Künstler wird dies sehr deutlich.

Marco Giacometti, Präsident der Fondazione Centro Giacometti, 12.11.2017