ITDE
   
Text Size

Vorwort des Herausgebers

Es ist mir gegönnt, die allererste von den Amici del Centro Giacometti herausgegebene Publikation vorzustellen: die aktuelle Darstellung der Ur- und Frühgeschichte des Bergells von Jürg Rageth. Das mache ich mit grosser Freude und mit Anerkennung.

Auf dem ersten Blick mag es seltsam erscheinen, ein archäologisches Thema mit zeitgenössischer Kunst in Verbindung zu bringen. Wollen wir uns jedoch umfassend und vertieft und mit dem Werk und dem Denken der Künstler der Familie Giacometti aus Stampa auseinandersetzen, kommen wir nicht darum herum, die Wurzeln ihrer Heimat besser zu rezipieren. Es ist wichtig, uns klar zu werden, woher die Bewohnerinnen und Bewohner des Bergells kommen, welche Völker im Laufe der Jahrhunderte die Talkultur beeinflussten, welche Rolle die Gegend im internationalen Kontext spielte. Unser Tal war zwar stets Peripherie, isoliert stand das Bergell jedoch nie da. Das galt schon immer.

So ist es absolut spannend, zu erfahren, dass die ersten Menschen das Bergell bereits zu einer Zeit aufsuchten, als es in Europa noch keine klassischen Kulturvölker gab. Steinzeitmenschen, die - von Süden her kommend - herum streunten und Jagd auf Wildtiere machten. Erste Siedlungen sind im Bergell relativ spät, erst in der Eisenzeit, erstellt worden; die Menschen dieser Zeit haben uns aber ein wertvolles Zeugnis ihrer Schrift an einem Felsen bei Maloja hinterlassen. Vom Bergell aus eroberten die Römer um 15 v. Chr. Rätien und stiessen bis zum Bodensee vor. Alsdann spielten die Pässe unserer Region, während vielen Jahrhunderten, eine prioritäre Rolle für Reisende und den Warenverkehr zwischen Süd und Nord; über den Maloja- und den Julierpass führte, seit der Römerzeit, die weit und breit einzige Fahrstrasse über die Zentralalpen.

Dank der Arbeit von Archäologen, Geologen und Historikern wissen wir heute weit mehr über unsere Frühgeschichte als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die letzte Zusammenstellung, aus dem Jahr 1963, stammt aus der Feder von Renato Stampa, der die Urgeschichte und die Römerzeit des Bergells auf neun Seiten behandelte. Als ich vor zwei Jahren das Glück hatte, mit Jürg Rageth und Katharina von Salis den archäologischen Bereich der Ausstellung in der Ciäsa Granda neu zu ordnen, wurde mir klar, welch wichtige Inhalte brach liegen.
Jürg Rageth erklärte sich spontan bereit, im Rahmen seiner Tätigkeit am Archäologischen Dienst des Kantons Graubünden die Bergeller Befunde bis zur Römerzeit zusammenzustellen. Für diese Arbeit gebührt unser aufrichtiger Dank. Dieser erstreckt sich auch an die Verantwortlichen des Archäologischen Dienstes und des Amtes für Kultur des Kantons Graubünden für das grosse Entgegenkommen sowie an Katharina von Salis für ihre spontane Unterstützung und ihren fachlichen Beitrag.

Diese kleine Ur- und Frühgeschichte des Bergells erscheint zweisprachig. Nachdem die Originalversion in Deutsch geschrieben war, motivierte uns die italienisch-schweizerische Vereinigung für die Ausgrabungen in Plurs mit ihrem Präsidenten Gianni Lisignoli zu einer zweisprachigen Ausgabe. Mit der präzisen Übersetzung von Gian Primo Falappi ins Italienische können zwei Kulturvereinigungen nun also gemeinsam diesem wichtigen und berechtigten Wunsch der Bergellerinnen und Bergeller dies- und jenseits der Staatsgrenze entgegenkommen.

Die Veröffentlichung dieser Ur- und Frühgeschichte des Bergells ist Dank der Förderung durch vier Institutionen - im Rahmen der Konzeptphase des Centro Giacometti für das Jahr 2011 - möglich geworden. Beiträge dafür zur Verfügung stellten die Gemeinde Bregaglia, die Graubündner Kantonalbank, Swisslos / Kulturförderung des Kantons Graubünden und die Schweizer Berghilfe. Folgende Privatpersonen haben sich an der Herausgabe dieses Büchleins beteiligt: Valérie Favre Accola, Arnoldo Giacometti, Marco Giacometti, Carlo Gianotti, Dr. Benno und Annamaria Gunziger, Dieter Kiefer, Lienhard AG Revisions- und Steuerrechtspraxis, Flavio Mezzera sowie Daniel Hug, Sandra Hug und Catherine Dreyfus Soguel zum Geburtstag von Anne Mosseri-Marlio. All den Geldgebern sei für das Vertrauen und die Unterstützung herzlich gedankt.

Möge dieses Band von Jürg Rageth dazu beitragen, die Sensibilität für unsere Geschichte zu steigern und das Interesse für weitere Publikationen zu kulturellen und wissenschaftlichen Themen über das Bergell zu fördern. Dies kommt den Gästen des Bergells wie den Einheimischen, auch der Schule, zugute.

Marco Giacometti, Präsident der Amici del Centro Giacometti

Da ün Giacometti e l'altar

Giacometti Art Walk

Alberto, neuer Fotoband

Leggere la Bregaglia

Zaccaria Giacometti

Frühgeschichte Bergell

Linea Centro Giacometti

Teilen

Wissenschaftspartner

 

Mit Unterstützung von

 

Mitglieder

 

Statements

Manuel Gasser

In diesem Verstande ist Alberto Giacometti nicht nur ein typischer, sondern auch ein guter Bergeller. Ein so typischer und guter Bergeller, dass man, des bin ich sicher, seine Kunst und Geisteshaltung erst dann versteht, wenn man das Bergell und Giacomettis Dorf Stampa kennt.
Manuel Gasser (1909-1979), Chefredaktor des Kulturmagazins „Du“ , Februar 1962