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Stampa

Stampa ist ein kleines Strassendorf auf 1’000 m ü. M., das direkt am Fluss Maira liegt. In der Vergangenheit war Stampa immer wieder von Hochwasser und Murengängen in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach starken Regenfällen mussten die Einwohner häufig Geröll und Schutt aus Strassen und Gassen wegräumen. Das Dorf war deshalb in einigen Häusergruppen unterteilt, die an einigermassen sicheren Orten erstellt worden waren. Gleichwohl kam es am 25. September 1927 zur Katastrophe. Das Hochwasser spülte zahlreiche Häuser und Ställe fort, andere Gebäude wurden stark beschädigt. Mit dem Bau der Staumauern Albigna (1959) duch die ewz und Orden (1971) und der Realisierung einiger Schutzwälle bei Stampa konnten diese Gefahren gebannt werden.

Auf dem Hügel Motta bei Stampa wurden Siedlungsreste aus der Eisen- und Römerzeit gefunden. Im Dorfteil Palü liegt, im Fels eingehauen, ein spätrömisches Wannengrab. Bereits im 12. Jahrhundert war der Talboden besiedelt. Der Name Stampa taucht erstmals in der Form Stamppa im Jahr 1354 auf. Die ältesten noch erhaltenen Patrizierhäuser des Dorfes datieren aus dem 16. Jahrhundert. Vor hundert Jahren, als das Bauerntum noch ausgeprägt war, wurden einige neue Mehrfamilienhäuser und das Hotel Piz Duan erstellt. Damals existierten in Stampa etwa 15 Wohnhäuser und 25 bäuerliche Ökonomiegebäude, die als Futterlager und Stall für das Nutzvieh dienten. In Stampa waren auch das Hotel Piz Duan mit seinem Restaurant, Dorfladen und der Poststelle, ein Schul- und Gemeindehaus, eine kleine Sägerei und ein Schiessstand. Die klassischen, kinderreichen Familien von Stampa hielten einzelne Kühe und einige Schafe und Ziegen. Daneben besserten sie ihr Einkommen mit kleinen Transportaufträgen und Holzschlag im Dienst der Gemeinde auf. Zahlreiche Knechte aus der Lombardei halfen im Sommer bei den Feldarbeiten mit. Im Dorf war Leben.

Heute sieht die Situation in Stampa ganz anders aus. Zwar besitzt Stampa seit wenigen Jahren eine gut ausgebaute Hauptstrasse mit einem sicheren Gehsteig. Auch der Sitz von JagdSchweiz, dem nationalen Jagdverband, ist in diesem abgelegenen Bergdorf angesiedelt. Doch ist die Zahl der Einwohner dramatisch eingebrochen. In den Ställen muhen keine Kühe und meckern keine Ziegen mehr. Die Schliessung der Gemeindeverwaltung und der Poststelle sind beschlossene Sache. Wie wird es in Stampa weiter gehen?

Stampa, Heimat der Giacometti
Das Mailänder Geschlecht der Giacometti wurde im Jahr 1271 von Papst Gregor X. mit dem Jerusalemkreuz ausgezeichnet. Wohl zur Zeit der Gegenreformation (nach 1560) oder nach dem Veltliner Krieg (1620) suchten einige Mitglieder dieser Familie in Vicosoprano Schutz vor religiöser Verfolgung.  Einer der Familienzweige liess sich um 1750 in der Umgebung von Stampa nieder und vermehrte sich dort.
Von diesem Zweig der Familie Giacometti sollten zwei Linien für die Schweizer Kunstgeschichte grosse Bedeutung erlangen. Die eine, „dal punt“ genannte Linie der Familie Giacometti, wohnte im Hotel Piz Duan bei der Brücke, im Bergeller Dialekt „punt“ genannt. Der Stammvater dieser Linie, der Allrounder Alberto Giacometti (1834-1900), heiratete die Hotelerbin Caterina Ottilia Santi (1838-1904). Aus dieser glücklichen Ehe gingen acht Kinder hervor, ein Mädchen und sieben Buben. Einer von ihnen war Giovanni Giacometti, Maler, Vater von Alberto und Diego Giacometti.
Aus einer zweiten Linie der Familie Giacometti ("da la gassa"), gingen der Maler Augusto und der Jurist Zaccaria Giacometti hervor. Ihr Grossvater, Antonio (1814-1883), war ein Bruder von Giacomo Giacometti (1804-1882), dem Grossvater Giovannis.

Postkarte des Hotels Piz Duan in Stampa (1906), Abbildung von Arnoldo Giacometti, Promontogno, zur Verfügung gestellt

Künstlerdynastie

Statements

Agostino Priuli

"Bereits am 2. Dezember 1999 schlug ich als Bündner des auslaufenden 20. Jahrhunderts den weltberühmten und genialen Bildhauer und Maler Alberto Giacometti vor. Nun bietet sich die einmalige Chance, dank der Gruppe der Freunde des Centro Giacometti, in der Heimat von Alberto Giacometti, in seinem Bergell, den Wurzeln und Spuren des Plastikers nachzugehen. In der Pflicht dazu stehen nicht nur die Bergeller und die Gemeinde Bregaglia, sondern auch die ganze Region Maloja inklusive Oberengadin, der Kanton Graubünden, die Stadt Zürich und sicher auch die Schweizerische Eidgenossenschaft."
Lic. jur. Agostino Priuli, Vizepräsident des Verwaltungsgerichte des Kantons Graubünden

Gastkommentar im Bündner Tagblatt vom  24.7.12 herunterladen

 
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