ITDE
   
Text Size

San Gaudenzio

Oberhalb von Casaccia stehen die Ruinen einer Kirche, die um 840 als Besitz des Klosters Pfäfers erwähnt wurde. Der beträchtliche Streubesitz dieses Klosters konzentrierte sich in der Ostschweiz, besonders zwischen Weesen und Maienfeld, reichte aber bis ins heutige Baden-Württemberg, ins Bergell und nach Südtirol.

Die Kirche von Casaccia ist dem Heiligen Gaudentius gewidmet. Der in Ivrea (Piemont) geborene und in Vercelli zum Christentum konvertierte Gaudenzio (327-418) soll das Bergell christianisiert haben. Nach der Lokallegende hat er in Casaccia durch Heiden den Märtyrertod erlitten. Der enthauptete Gaudenzio soll nach seinem Tod sein Haupt in beide Hände genommen und seinen Weg fortgesetzt haben.

Im Jahr 1518 wurde San Gaudenzio auf den Fundamenten des älteren Gebäudes neu errichtet. Als Ziel von Pilgerfahrten spielte die spätgotische Kirche einige Jahrzehnte lang eine grosse Bedeutung. Nach der Reformation im Jahre 1551, als sie geplündert wurde, diente sie noch bis 1739 als Begräbniskirche. Seither zerfällt sie.

Das Erscheinungsbild aus architektonischer Sicht, die Qualität der noch sichtbaren Elemente sowie der archäologisch bedeutsame Standort gestatten eine Einreihung der Kirchenruine San Gaudenzio innerhalb der Baudenkmäler von kantonaler und nationaler Bedeutung.

Erhalten sind die Umfassungsmauern mit spätgotischen Masswerkfenstern. An den abgeschrägten Innenstreben im Schiff und den Dreiviertelsäulen im Chor sind die Ansätze eines Rippengewölbes erhalten. Im Westen der Kirche liegen Fundament-Reste des ehemaligen Beinhauses, der Pfarrwohnung und des Hospizes, an der Süd-Seite des Chors Fundamente einer Sakristei.

Auf Initiative von Giovanni Giacometti wurden im Jahr 1925 erste Stabilisierungsarbeiten durchgeführt. Heute benötigt die Ruine von San Gaudenzio wieder dringend Massnahmen zu ihrer Erhaltung. Die erst kürzlich dafür eingerichtete „Stiftung für die Restaurierung der Kirche San Gaudenzio“ bemüht sich darum, die für die Stabilisierung der Kirchenruine nötigen Geldmittel zu sammeln. Die Restaurationsarbeiten haben im Jahr 2009 begonnen. Die Liegenschaft ist Eigentum des Comune di Bregaglia.

Statements

Agostino Priuli

"Bereits am 2. Dezember 1999 schlug ich als Bündner des auslaufenden 20. Jahrhunderts den weltberühmten und genialen Bildhauer und Maler Alberto Giacometti vor. Nun bietet sich die einmalige Chance, dank der Gruppe der Freunde des Centro Giacometti, in der Heimat von Alberto Giacometti, in seinem Bergell, den Wurzeln und Spuren des Plastikers nachzugehen. In der Pflicht dazu stehen nicht nur die Bergeller und die Gemeinde Bregaglia, sondern auch die ganze Region Maloja inklusive Oberengadin, der Kanton Graubünden, die Stadt Zürich und sicher auch die Schweizerische Eidgenossenschaft."
Lic. jur. Agostino Priuli, Vizepräsident des Verwaltungsgerichte des Kantons Graubünden

Gastkommentar im Bündner Tagblatt vom  24.7.12 herunterladen

 
Teilen

Wissenschaftspartner

 

Mit Unterstützung von


 

Mitglieder