ITDE
   
Text Size

Malojapass - Belvedere

Dort wo einst die gegen 1000 Meter mächtigen Vadrec dal Forno und Vadrec dal Lunghin auf dem Felsriegel von Maloja lagen, steht heute ein Bergföhrenwald und mittendrin die Torre Belvedere. Der Turm ist vom Bergell wie auch vom Oberengadin weit her sichtbar, ein Wahrzeichen Malojas. Am Fuss des Turmes verläuft die alte Passtrasse, die von den Römern für den Verkehr mit einachsigen Karren ausgebaut wurde und während hunderten von Jahren die wichtigste Nord-Süd Verbindung der Zentralalpen darstellte. In den Felsen versteckt, nahe der neuen Passstrasse, liegt die militärische Sperre von Maloja.

Schutzgebiet Maloja: ein Turm und 30 Gletschertöpfe
Der Turm, der Wald, das subalpine Vegetationskleid und die Moore, die zu den schönsten und ältesten im Alpenraum gehören, sind vor jeglichen Veränderungen und Eingriffen geschützt. Sie bilden das Gletschertopf-Naturschutzgebiet von Pro Natura. Gletschertöpfe sind kleinere und grosse zylinderförmige Löcher im Fels. Sie wurden beim Gletscherrückzug in Maloja vor rund 15'000 Jahren vom Eisschmelzwasser unter dem Gletscher mit enorm hohem Druck geformt. Als zusätzliches Mittel, den harten Gneisfels auszuhöhlen, wirkte der in den Wasserstrudeln mitgewirbelte Sand. Der grösste der rund 30 Gletschertöpfe bei Maloja misst 11 Meter an Tiefe und 9 Meter im Durchmesser. 

In den vielen Mooren, welche in den Gletschervorfeldern entstanden, bildete sich über die Jahrtausende eine mehrere Meter mächtige Torfschicht. In der Palü Marcia, dem mit 16'000 Jahren ältesten Moor in den Alpen (nördlicher Teil des Naturschutzgebietes, mit Hirschsuhle in der Moormitte), wird eine Mächtigkeit von 8 Metern gemessen. Im August können die Blüten des Rundblättrigen Sonnentaus, eine der faszinierendsten Moorpflanzen, entdeckt werden, im Herbst verfärben sich die Moore wunderbar rot, gelb und orange.
Von der Dachterrasse des Turms Belvedere geniesst man die weite Aussicht über den Wald am Malojapass, die Oberengadiner Seenplatte, Richtung Süden in die Val Forno und Val Muretto bis zur italienischen Grenze und weiter schweift der Blick hinab ins Bergell, zum Dorf Casaccia und zur Staumauer Albigna und schliesslich Richtung Westen in die Val Maroz und zum majestätischen Piz Duan. 

Der Turm Belvedere wird seinem Namen vollends gerecht. Der belgische Comte de Renesse, Erbauer des Hotels Palace Maloja und weiterer Gebäude in Maloja, hatte den Turm als seine Residenz geplant. Erbaut wurde er zwischen 1882 und 1903. Und eben bei diesem Bau wurde der erste Gletschertopf entdeckt, ein sensationelles Ereignis, das Glaziologen herbeirief und diese nach weiteren Naturphänomenen und Zeugen der Eiszeit suchen liess, mit Erfolg.
Pro Natura konnte 1953 den gesamten Felsriegel (33 ha) von Maloja mit den Gletschertöpfen, dem Turm Belvedere und seinen umgebenden Ruinen kaufen und gründete das Naturschutzgebiet mit vier Rundwegen für Kurzwanderungen und guten Informationsquellen. Seit Jahren dienen die vier Stockwerke des Turmes der Dauerausstellung „Storia del paesaggio di Maloja“ und verschiedenen Wechselausstellungen, welche alle immer einen thematischen Bezug zum Bergell haben.
Die Öffnungszeit des Turmes ist im Tourismusbüro Maloja zu erfahren. Im Winterhalbjahr ist der Turm geschlossen. Zur Dauerausstellung ist in diversen Geschäften Malojas die Broschüre und zur Umgebung das Buch „Maloja – natura e cultura di un valico alpino“ erhältlich.

Die Sperre Maloja
An der Südgrenze des Kantons Graubünden sind vor und während des Zweiten Weltkrieges eine ansehnliche Anzahl militärischer Sperren entstanden. Diese wurden nach der Armeereform 1995 militärisch wertlos. Aus diesen Anlagen sind bereits sämtliche Waffen und Munition entfernt worden, und auch die übrigen Einrichtungen wurden grösstenteils demontiert.

Die Sperre Maloja ist eine ausserordentlich starke Infanteriesperre. Sie musste den Zutritt zur Hochebene des Engadins sperren. Das Hauptwerk Maloja Kulm besteht aus zwei Etagen mit separaten Mannschaftsunterkünften, die mit einem weitläufigen Tunnellabyrinth miteinander verbunden sind.

In einer ersten Etappe wurde die untere Etage, die gegen die Südrampe des Malojapasses, d.h. gegen das Bergell wirkte, gebaut. In einer zweiten Phase baute man die obere Etage als eigentliche Passübergangssperre. Da die Unterkunft in der unteren Etage nicht ausreichte, war man gezwungen, in der oberen Etage eine zweite Mannschaftsunterkunft zu erstellen. Auf der unteren Etage waren drei Maschinengewehre und eine 9 cm Panzerabwehrkanone direkt auf die obersten Kehren der Malojapassstrasse gerichtet.

Das Gegenwerk zu diesem Bereich befindet sich als Stützmauer getarnt direkt neben der Kantonsstrasse. Es war mit zwei Maschinengewehren bewaffnet. Von der oberen Etage des Werkes Kulm wirkten zwei Maschinengewehre direkt über die Pass-Senke nach Westen zum Gegenwerk auf der anderen Talseite, das ebenfalls mit zwei Maschinengewehre bewaffnet war.

Giacometti Art Walk

Alberto, neuer Fotoband

Künstlerdynastie

 

Zaccaria Giacometti

Frühgeschichte Bergell

Teilen

Wissenschaftspartner

There are no translations available.

 

Mit Unterstützung von


 

Mitglieder

 

Statements

Eberhard W. Kornfeld

Danke für die liebenswürdige Betreuung bei unserem Besuch in Stampa am letzten Montag. Der ganze Tag war für uns ein grosses Erlebnis. Eure Konzeption für eine "Gedenkstätte" klingt gut und lässt sich hoffentlich realisieren.
Dr. Eberhard W. Kornfeld, Bern, 10.8.13