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Das Projekt des Centro Giacometti in Stampa

Das Centro Giacometti ist ein zukünftiges Besucherzentrum im Bergell (Graubünden, Schweiz). Die erste Etappe wird im Jahr 2016 eingeweiht. Damit werden die Persönlichkeiten von Stampa gewürdigt, namentlich Giovanni, Alberto, Diego, Bruno, Augusto und Zaccaria Giacometti. Das Projekt versteht sich als Grundlage für eine umfassende und vertiefte Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Werk der Künstler und Persönlichkeiten von Stampa.
Als Element des Polo culturale von Stampa will es das Giacometti-Werk kontextualisieren sowie das kulturelle Erbe sowie die Geschichte und die Natur dieses am Übergang von der Lombardei zum Engadin liegenden Tals zur Geltung bringen und erforschen. Das Angebot wird sich ausserdem im Bildungs- und Arbeitsbereich erstrecken und verschiedene Alters- und Publikumsgruppen ansprechen.

Das Projekt ist von der Gemeinde Bregaglia im Rahmen ihrer Entwicklungstrategie anerkannt. Die planerischen Grundlagen sind im Rahmen des "Polo culturale Stampa" erfüllt.
Das Centro wird von der Stiftung Centro Giacometti realisiert und betrieben. Der Betrieb wird zur nachhaltigen Entwicklung des Bergells beitragen. Das Centro wird auf die Bedeutung der anderen wichtigen Lebensmittelpunkte der Künstler Rücksicht nehmen; im Fall von Alberto Giacometti sind es Paris, Genf, Schiers und Maloja, bei Giovanni Maloja, bei Augusto Florenz und Zürich und bei Zaccaria Zürich.

Im Gedenkjahr 2016, 50 Jahre nach dem Tod Alberto Giacomettis, wird das Centro Giacometti sein erstes Angebot in Betrieb nehmen und wird sich an der Organisation des Gedenkprogrammes im Bergell beteiligen. Es wird ausserdem die Visione "Centro Giacometti 2020" präsentieren.

Meine Wirklichkeit, von Alberto Giacometti

Sicherlich bin ich Maler und Bildhauer, und dies seit Anbeginn, seit dem ersten Mal, als ich gezeichnet und gemalt habe, um der Wirklichkeit auf die Spur zu kommen, um mich zu verteidigen, um mich zu ernähren, um zu wachsen; wachsen, um mich besser verteidigen zu können, besser anzugreifen, um anzuhängen, damit ich am besten auf allen Ebenen und in allen Richtungen weiter komme, um mich vor dem Hunger zu schützen, vor der Kälte, vor dem Tod, um so frei wie nur möglich zu sein; so frei wie möglich, um zu versuchen - mit jenen Mitteln, die mir heute zur Verfügung stehen - besser zu sehen, besser zu verstehen, was um mich herum ist, besser zu verstehen, um freier zu sein, so gross wie möglich, um auszugeben, um mich so stark wie möglich für das einzusetzen, was ich gerade mache, um mein Abenteuer zu erleben, um neue Welten zu entdecken, um meinen Krieg zu führen, aus Lust? aus Freude? am Krieg, aus Freude, zu gewinnen und zu verlieren.

Alberto Giacometti, 1957, Antwort auf eine Umfrage von Pierre Volboudt A chacun sa réalité (Originaltext Französisch in: XXe siècle, Nr. 9, Juni 1957, S. 35). © Succession Giacometti.


Über meine Kunst, von Augusto Giacometti

Im Moment verspüre ich eine starke Abneigung darüber, selbst über mein Leben und meine Kunst zu schreiben. Ich wüsste aber nicht warum. Unsere Augabe als Künstler ist es, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln. Zu spriessen, zu wachsen und zu blühen. Jeder einzelne Künstler kann mit einem Baum, mit einer Pflanze verglichen werden. Jede von ihnen hat ganz andere Eigenschaften und ganz andere Blumen als jene Pflanze, die in ihrer Nähe wächst. Man wird mit Charakter geboren. Man ist ja Rebe, Fichte, Kirschbaum. Die Fichte kann nicht anders als danach streben, zu wachsen und die Wolken zu berühren.
Nun, eine Pflanze zu bestimmen, sie zu erfassen, zu beschreiben, zu beschriften, das ist die Aufgabe des Botanikers, in unserem Fall eines Kunstkritikers. Der Künstler beschreibt sich selbst mit seinen Werken. Diese stellen seine beste Beschreibung dar.
Ich liebe in erster Linie die Mystiker. Die Byzantiner, Giotto und Fra Angelico. Ich liebe die Philosophie Schopenhauers. Wärmstens liebe ich die Farben, das tiefe Türkis, des Schwarze, das tiefe Rot. Dann alle hellen Grüntöne, das Himmelblau und das Rosa. Möglicherweise sind die Farben unsere einzige Erinnerung an eine übernatürliche Welt, an eine irrationale Welt. Möglicherweise sind die Farben das einzige Abbild der Göttlichkeit.

Augusto Giacometti, 1920, Antwort auf eine Anfrage des Redaktors des Almanacco del Grigioni Italiano (Originaltext Italienisch)


Über meine Kunst, von Giovanni Giacometti

In Wahrheit gebe ich dem Pinsel die ganze Schuld. Er lässt mir das Schreibzeug vergessen. Der Pinsel und die Farben sind die einzigen mir vertrauten Mittel, um mich auszudrücken. Sie sind die treuen Vermittler meiner Gedanken, meiner Träume, meines Lebens. Mein Leben ist meine Kunst, und die Kunst ist mein Leben. Dieses kleine, im kurzen Bergkreis eingeschlossene Landstück ist für mich das Universum. Hier bin ich geboren, hier ist meine Fantasie entsprungen, hier liessen sich meine Augen in den ersten Sonnenstrahlen berauschen. Von den Metropolen, in welchen mir die Werke der grossen Meister die göttlichen Tugenden der Kunst offenbarten, kehrt sie in diesem alten Kreis zurück. Wie eine Gottheit des Herdfeuers nahm ich mich hier vor, jenen Funken lebendig zu halten, welcher die gütige Natur in meinem Geiste entfacht hatte, und mit diesem mein Werk zum Leuchten zu bringen und zu erwärmen. Die kleine Familie, die um mich herum heranwächst, teilt sich meine Liebe mit der Kunst und wetteifert mit der Natur darin, mir neue Schönheiten und neue Werte offenzulegen.
Sie erkundigen sich nach Erklärungen über mein Leben und über die Absichten meiner Kunst. Was soll ich Ihnen mehr sagen? Meine Kunst kennt kein Programm. Wenn nicht jenes der Verbesserung und des Vervollkommnens. Danach strebe ich. Jeden Tag von Neuem offenbaren sich meinen Augen das geheimnisvolle Schauspiel des Lebens und die unermessliche Schönheit der Natur. Intimität ist das Reich der Kunst und die Perfektion kann niemals erreicht werden. Fallen werde ich im verehrenden Kampf vor dem Geheimnis der Natur und vor der unendlichen Schönheit der Kunst.

Giovanni Giacometti, 1919, Antwort auf eine Anfrage des Redaktors des Almanacco del Grigioni Italiano (Originaltext Italienisch)

Künstlerdynastie

Statements

Guido L. Luzzatto

Was sollte, für Menschen, die die Kunst um des Menschenleben willen lieben, angenehmer sein, als eine solche Wohnstätte zu besuchen, die keine tote Gedenkstätte geworden ist, sondern als Umgebung eines Künstlerlebens noch dasteht und lebt, so wie sie war, als der junge Maler hier aus- und einging?
Guido L. Luzzatto, in einem Artikel in der "Neuen Bündner Zeitung" vom 20. Juli 1954 mit dem Titel "Besuch im Geburtshaus von Giovanni Giacometti"

 
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