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Die Farbe und Ich - Augusto Giacometti und Katharina Lichtner, eine Begegnung

Für Augusto Giacometti (1877-1947) war Malerei eine «Kunst des Farbigen». Er schrieb: «Immer war es mir, als ob es ein Leben der Farbe an sich geben müsse». Aus Anlass des 75.sten Todesjahres des Bergeller Malers beleuchtet die Ausstellung Die Farbe und Ich: Augusto Giacometti und Katharina Lichtner – Eine Begegnung das Werk zweier Künstler, welche die Farbe im Zentrum ihrer Malerei stellen. Unabhängig voneinander gelangen sie in ihren Abstraktionen zu einer erstaunlich ähnlichen Haltung: er, für den Malerei ein farbiger Organismus ist, und sie, die Formen verwischt und Farben mutig und unverblümt sprechen lässt. Die Ausstellung zeigt Gedanken und, anhand von Reproduktionen, das Schaffen Augusto Giacomettis und stellt diese, fliessend ineinander, Originalen der Münchner Künstlerin Katharina Lichtner gegenüber. Katalog herunterladen
Das Talmuseum Ciäsa Granda zeigt runf 50 Werke Augusto Giacomettis. Mehr lesen

In einem zweiten, dokumentarischen Teil wird Augusto Giacomettis neue Biografie dargestellt, in der Giacometti authentisch zu Wort kommt und in Briefen seine Vision von Malerei darlegt. Gezeigt werden Dokumente aus verschiedenen Archiven, die als Grundlage zur Erarbeitung von Giacomettis Biografie dienten.

Die Ausstellung findet im Salone und im Untergeschoss des ehemaligen Hotels Piz Duan statt, gleich neben dem Atelier Giacometti.

Vernissage: Samstag, 11. Juni 2022 um 15.30 Uhr

Gedenkanlass: Samstag, 11. Juni 2022 um 17.30 Uhr, Kirche San Giorgio bei Borgonovo. Exakt 75 Jahre nach Giacomettis Begräbnis, an dem die Altistin Dora Wyss aufgetreten war, singt die Altistin Katharina Rikus, begleitet vom Bratschisten Martin Lehmann.

Veranstalter:  Centro Giacometti, Stampa

Ort: Centro Giacometti, Strada cantonale 119, CH-7605 Stampa
Mit Unterstützung von: Gemeinde Bregaglia, Amt für Kultur Graubünden / Swisslos, Graubündner Kantonalbank

Zeit: vom 12. Juni. bis zum 28. August 2022
Öffnungszeiten: Mittwoch - Sonntag 10:00 – 12:00 und 15:00 – 17:00 Uhr (oder nach Vereinbarung)

Preise: 5.- CHF p.p. / Preise für Gruppen auf Anfrage. Jugendliche < 16 Jahren und Amici del Centro Giacometti: freier Eintritt

 

“Die Farbe und ich”, von Virginia Marano, Kuratorin

DIE FARBE UND ICH, die Ausstellung im Elternhaus Giovanni Giacomettis in Stampa, ist eine Reise in die persönlichen Erinnerungen von Augusto Giacometti und die inneren Landschaften der Malerin Katharina Lichtner.

Die frühen Arbeiten von Augusto Giacometti sind von Jugendstil und Symbolismus inspiriert und führen über den Spiritualismus hin zur Abstraktion. Er erforschte das Potenzial von Farbe und Abstraktion und überschritt die normative symbolische Darstellungsweise. Seine Wandmalereien, Buntfenster und Mosaike sind Kompositionen in Farbklängen. Sein visueller Fluss, wie in Das Kreisen der Planeten (1909/ 10), scheint letztlich die Spannung zwischen Abstraktion und Repräsentation aufzunehmen.

Bei Katharina Lichtner findet man Giacomettis malerische Gesten in verdichteten Farblinien wieder. Sie inszeniert eine intime Begegnung von Schattierungen und Tönen. Wie in einem sich wiederholenden Ritual artikulieren ihre Bilder eine ästhetische Befreiung von der akademischen Tradition. Während sie neue Assoziationen schafft, verweisen die ungenauen Grenzen zwischen Subjekt und Objekt auf nichtlineare Erzählungen und unendliche Zustände des Werdens. Die vertikalen und horizontalen Linien verstärken die Details und erweitern den Raum, indem sie sich in einer produktiven Spannung zueinander bewegen.

Katharina Lichtners künstlerischer Schaffensprozess beginnt ohne Farbe. Mit zahlreichen lasierenden weissen Schichten grundiert sie die Leinwand, die sich so zu Flecken verdichtet. Diese dynamische Auseinandersetzung mit dem Werk schafft immaterielle Räumlichkeit und Tiefe. Am Ende, wenn das Zusammenspiel der Weisstöne das Bild selbst zum Leben erweckt, setzt sie Farbe ein, die frei von der konkreten Darstellung bleibt.

In einem Gespräch beschreibt Lichtner ihre Arbeitsweise: „Ich betrachte die Welt, die Dinge durch ein kleines Loch in einem Stück Karton, dabei verliert das Gesehene seine Dinghaftigkeit, ist nur noch Detail oder Fragment - ein Fleck, eine Linie, eine Struktur, etwas ganz Eigenes, Neues, mir Fremdes. Um diese Faszination im Fremden geht es, um das assoziative Spiel, um die Wandlungen, die sich vollziehen. Und dabei bleibt das Fragment doch immer das Ganze.“ Die fragmentierten Farben in den Arbeiten lösen Emotionen aus: Sie führen von der Oberfläche in das Innere der Malerei. Einige Bilder zeigen auch Farbspuren in subtilen Linien, die verwirrende und kreisförmige Geometrien erzeugen.

In diesen von der Vergangenheit bewohnten Ausstellungsräumen sind die Erinnerungen von Augusto Giacometti präsent. Darunter handschriftliche Notizen, Fotos und Glasfenster. Diese Schau ist eine Spurensuche. Durch eines seiner bemalten Fenster, das an der Wand befestigt ist, finden sich das Gemälde Oben der Himmel von Katharina Lichtner; es verweist auf eine Welt jenseits der Grenzen der Leinwand. Innerhalb dieser Wahrnehmung von Formen und Farben lässt sich die Nähe der beiden Künstler in deren vielfältigen Artikulationen des Künstlerischen und Poetischen entdecken.


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Statements

Roger Fayet

Stampa und das Bergell bildeten den fortwährenden und verbindenden Bezugspunkt für vier der bedeutendsten Schweizer Künstler: Giovanni, Augusto, Alberto und Diego Giacometti. Diese historische Konstellation und das heute noch erhaltene Atelier eröffnen zusammen mit dem Bestand der Werke in der Ciäsa Granda die einmalige Chance, das im Kontext des Bergells stehende Schaffen aller vier Künstler einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) begegnet der Initiative mit grosser Sympathie und freut sich darauf, die Aktivitäten zum Aufbau des Centro Giacometti wissenschaftlich zu unterstützen.

Dr. Roger Fayet, Direktor des Schweizer Institutes für Kunstwissenschaft, Zürich, 25.5.12