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Liebesgedicht von Lehrer Zaccaria Giacometti

Zaccaria Giacometti, von der Linie Giacometti da la Gassa, war Grundschullehrer in Stampa und insbesondere auch begabter Zeichenlehrer der zukünftigen Maler Giovanni und Augusto Giacometti. Zacccaria heiratete Cornelia Stampa aus Borgonovo, Tochter von Giovanni Stampa und Schwester von Annetta, der Frau von Giovanni Giacometti. Einige Jahre verbrachte Zaccaria den Sommer in den Vecchi Bagni di Bormio, um den in diesen Jahren üblichen Lohnausfall während der Ferien auszugleichen.

Von diesem Ort aus schrieb Zaccaria am 17. Juli 1887 ein Gedicht an seine zukünftige Frau Cornelia. Das Gedicht wurde kürzlich von der Familie von Cornelio Giacometti, dem ältesten Sohn von Zaccaria und Cornelia und Bruder von Zaccaria jun., an das Archivio der Fondazione Centro Giacometti vermacht.

Foto oben: Zaccaria Giacometti als junger Mann
Foto unten: Cornelia und Zaccaria Giacometti-Stampa mit einem ihrer beiden Kinder



Liebe

Von Zaccaria Giacometti sen.

Ich kenne ein liebliches Tal,
getränket von kühlendem Bache;
die Kette der Alpen umfasst es,
gen Abend nur tut es sich auf,

empfängt seine Schönheit zumal
von Waldes begrünendem Dache,
von schneeigen Alpen voll Glastes,
von Rosen am Hange zuhauf.

Und Dörfer von freundlicher Art
die schönen Hänge verzieren;
im grünen, so lieblichen Walde
der Vogelsang frühe bis spät.

Da steht auch ein Haus; so apart
mittdrinn mit den Ecken, den vieren,
Fassade, die hohe, sieht balde,
wer diesem Hause sich naht.

Drei Fensterlein schauen nach West,
sie nähren mit Licht hier ein Zimmer:
die Jungfrau, die noble, draus schauet
dem Manne entgegen, der naht.

Schön braun ihre Locken, ein Fest!
Im Auge ist braun auch der Schimmer:
ein Engel hat hier doch gebauet
ein Röslein, ein frisches, gerad.

Und dieses ist jetzt meine Lieb’,
sein Herz ist meines allein!
Auch wenn wir kurz uns nun trennen,
Cornelia, ich bleibe Dir treu!

Leb’ wohl, meine Freude, mein Lieb’!
Ich sehe Dich wieder daheim.
Am klaren Himmel erkennen
wirst liebende Küsse drei!

Übersetzung: mit freundlicher Genehmigung von Dr. Klaus Reinhardt

© Fondazione Centro Giacometti

 

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Andreas Kley

 

Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich das Projekt des Centro Giacometti gerne unterstütze, soweit es Zaccaria Giacometti anbelangt.
Prof. Dr. Andreas Kley, Ordinarius, Lehrstuhl für öffentliches Recht, Verfassungsgesschichte sowie Staats- und Rechtsphilisophie am Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich, 20. August 2010