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Stütze und Inspiration: Zum 50. Todestag von Annetta Giacometti-Stampa

Stampa, 25. Januar 2014 / Heute jährt sich zum fünfzigsten Mal der Todestag von Annetta Giacometti-Stampa. Als Ehefrau des Malers Giovanni Giacometti und Mutter des Bildhauers Alberto Giacometti begleitete und unterstützte Annetta über 60 Jahre das künstlerische Schaffen der beiden berühmten Männer. Annetta sorgte für die harmonischen Lebensumstände im Kreise ihrer Familie und sass immer wieder geduldig Modell. Zunächst für ihren jungen Ehemann, später für ihren avantgardistischen Sohn. Die 92jährige Annetta starb vor 50 Jahren im Kreise ihrer Familie in Stampa. Artikel im Bündner Tagblatt herunterladen



Annetta Giacometti, am 5. August 1871 in Borgonovo im Bergell geboren, war die Tochter des im Tal geschätzten Lehrers Giovanni Stampa und Domenica Baldinis, die aus einer wohlhabenden Zuckerbäckerfamilie stammte. Mit ihren vier Geschwistern wuchs sie in einem Baldini-Haus in Borgonovo auf. Die Mutter starb sehr früh im Alter von 36 Jahren, als Annetta gerade fünf Jahre alt war. Nach der Schulbildung im Bergell folgten Sprachaufenthalte in Vevey und in Rorschach.

Im Jahr 1900 heiratete sie Giovanni Giacometti aus Stampa, der den eher ungewöhnlichen Beruf des Kunstmalers ausübte. Das Paar wohnte in Borgonovo, wo bereits ein Jahr später, im Oktober 1901, der erste Sohn Alberto geboren wurde. Es folgten die Kinder Diego und Ottilia, bevor die kleine Familie im Jahr 1904 ihre Wohnung in Borgonovo verlassen musste. In Stampa, gleich gegenüber des Hotels Piz Duan, dem Eltern- und Geburtshaus von Giovanni Giacometti, fanden sie ein neues Heim mit einem geeigneten Maleratelier in unmittelbarer Nachbarschaft. 1907 wurde das vierte Kind Bruno geboren. Von ihrem 1909 verstorbenen Onkel Rodolfo Baldini erbte Annetta sein Haus in Maloja-Capolago. Fortan verbrachte die Künstlerfamilie viele Sommer an den Ufern des Silsersees. Mit Giovanni Giacometti führte sie bis zu dessen Tod im Jahre 1933 eine harmonische Ehe.
Annetta sass ihrem Mann Giovanni immer wieder Modell: erst als junge Frau, dann als Mutter, alleine oder mit Familienmitgliedern. Bald fing auch der kleine Alberto an, die Mutter zu zeichnen, zu malen und zu modellieren. Der später in Paris lebende und unterdessen berühmt gewordene Sohn zeichnete sie immer wieder, meist in ihrer Wohnung oder im Atelier.

Im Jahr 1937 verlor Annetta ihre einzige und mit einem Genfer Doktor verheiratete Tochter Ottilia, die nach der Geburt ihres ersten Sohnes Silvio Berthoud 33jährig verstarb. Die Grossmutter, die sich seither dunkel kleidete und stets elegante Schürzen trug, zog zu ihrem Schwiegersohn und Enkel nach Genf, um sich um den kleinen Jungen zu kümmern. Im zweiten Weltkrieg zog auch Alberto nach Genf, um der Mutter nahe zu sein.

Im Tal war die sehr gläubige Annetta eine respektierte Person. „Annetta freute sich, mit ihr nahe stehenden Menschen zusammen zu sein. Selbst im hohen Alter nahm sie am gesellschaftlichen und politischen Leben von Stampa teil und lud Vertraute zum Austausch ein“, beschreibt Laura Semadeni-Dolfi, die in den frühen 50er Jahren im Sommerhaus Annettas in Maloja ein und aus ging. Bis zuletzt lebte Annetta, die regelmässig von ihren Söhnen aus Paris und Zürich Besuch erhielt, in ihrem Haus in Stampa. Mit ihren Kindern pflegte sie einen engen brieflichen und später auch telefonischen Kontakt. Zeitlebens schenkte sie ihnen ihre Unterstützung.

Am 50. Todestag gedenkt das Centro Giacometti dieser bedeutenden Frau, die 64 Jahre lang ihre Familie umsorgt und so aus nächster Nähe die künstlerische Entwicklung von zwei bedeutenden Schweizer Künstlern miterlebt und geprägt hat. Sie war der ruhende und starke Pol der Familie. Annetta Stampa wurde im Grab ihres Mannes Giovanni im Friedhof von San Giorgio in Borgonovo beigesetzt. Den Grabstein seiner Eltern gestaltete Alberto Giacometti.

Centro Giacometti

Foto oben: die junge Annetta Stampa (um 1890) mit dem Medaillon, das sie bis 1964 tragen wird

Foto Mitte: Annetta Giacometti-Stampa mit ihrem Ehemann Giovanni Giacometti in Capolago (um 1925-1930)

Foto unten: Annetta Giacometti-Stampa mit ihrem Enkel Silvio Berthoud in Maloja um 1945

 

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Statements

Eberhard W. Kornfeld

Danke für die liebenswürdige Betreuung bei unserem Besuch in Stampa am letzten Montag. Der ganze Tag war für uns ein grosses Erlebnis. Eure Konzeption für eine "Gedenkstätte" klingt gut und lässt sich hoffentlich realisieren.
Dr. Eberhard W. Kornfeld, Bern, 10.8.13