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Marche 2015: Reise der Überraschungen mit Francesca

Zweiundzwanzig Freunde des 'Centro Giacometti' haben vom 14. bis zum 17. Mai 2015 die italienische Region Marken besucht. Eine wunderschöne Hügellandschaft zwischen Adria und Apenninen mit einer Geschichte, die von der Römerzeit über das Mittelalter bis zur Renaissance reicht. Unserer Reiseleiterin Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. gelang es, ein absolut interessantes, vielseitiges, informatives und auch sättigendes Programm für uns zusammenzustellen. Wir sind mit zahlreichen Ideen für unser Projekt ins Bergell zurückgekehrt.


Pesaro, Geburtsstadt von Gioacchino Rossini

Der berühmte italienische Komponist wurde in Pesaro geboren, einer ursprünglichen Römerstadt an der Adriaküste. Weil es ihm dort an Gelegenheiten fehlte, verliess er bereits im zarten Alter von 8 Jahren seine Geburtsstadt. Seine Karriere brachte Gioacchino Rossini in viele europäische Städte. Er kam unter anderem auch nach Paris, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Seinem Testamentswillen zufolge hinterliess er seiner Geburtsstadt sein vollständiges Erbe, um hier eine Musikakademie zu errichten. Eben in diesem Rossini-Konservatorium haben wir vier Musikstücke von jungen Studenten gehört und das Archiv besucht, das Originaldokumente bewahrt, die vom Komponisten verfasst wurden.
Ausserdem haben wir das Geburtshaus von Gioacchino Rossini besucht, das zu einem Museum umgestaltet wurde, sowie die Kathedrale von Pesaro mit ihren herrlichen Mosaiken aus dem 4. und 6. Jahrhundert. Letztes Highlight von Pesaro war die wunderbare Keramiksammlung, die unter anderem die Medusa von Ferruccio Mengaroni beinhaltet.



Die Werke von Piero della Francesca in Urbino
Urbino hat uns mit seiner herrlichen Renaissance-Architektur empfangen, die mit der Geschichte des Hauses Malatesta in Verbindung steht, das einige Generationen dem Kirchenstaat das Haupt bot. Der Maler Piero della Francesca hatte für Federico da Montefeltro, der herausragenden Figur des Hauses gearbeitet. Dabei hatte er auch den Herzog und seine Frau Battista Sforza verewigt. Einige der Werke des Künstlers sind im Herzogspalast von Urbino ausgestellt, der zur Nationalen Galerie der Marken wurde.
Beim Sitz der Stiftung 'Fondazione Carlo Bo' haben wir Rosetta Borchia und Olivia Nesci getroffen, die Jägerinnen der Landschaften von Piero della Francesca. Im Laufe der letzten vier Jahre haben diese die auf einigen Leinwänden gemalten Landschaften von Piero della Francesca entdeckt, die zwischen den Hügeln des Montefeltro versteckt waren. Borchia und Nesci haben uns ihren interdisziplinären Studienansatz und ihre Strategien zur Förderung dieses wichtigen Kulturerbes über Balkone erklärt, die sich an Orten befinden, von denen noch heute eben diese Landschaften bewundert werden können: die Landschaften der Renaissance von Montefeltro.
Die 'Fondazione Carlo Bo', die wir besuchen konnten, verwaltet die Hinterlassenschaft von Bo: Sie umfasst 100.000 Bände, die vom Literaten, der 40 Jahre lang Rektor der Universität von Urbino war, hinterlassen wurden. Es war tatsächlich Bo, der den Mailänder Architekten Giancarlo De Carlo rief, um verschiedene Niederlassungen der Universität von Urbino zu renovieren und zu erweitern. Die städtebauerischen Eingriffe von De Carlo, die uns im Inneren von drei Universitätsgebäuden vom Architekten Enrico Dodi, Mitglied der 'Amici del Centro Giacometti' erklärt wurden, sind wahrhaft gelungen.

 

Die Liebesgeschichte von Paolo und Francesca in Gradara
Der Hügel von Gradara, ein Grenzgebiet zwischen Marken und Romagna, wird von dem majestätischen Felsen dominiert, der von einem kleinen, mittelalterlichen Ort und von einer doppelten Stadtmauer umgeben ist. Die Burg beherbergt die wichtigsten Familien aus Mittelalter und Renaissance: Malatesta, Sforza, Borgia und Della Rovere. Ausserdem war sie Schauplatz grosser historischer und legendärer Ereignisse. Insbesondere wohnte dort einige Jahre die blutjunge Lucrezia Borgia, die gerade aus Rom angekommen war. In dieser Burg kam es auch zu der dramatisch endenden Liebesszene zwischen Francesca da Polenta, Frau von Gianciotto Malatesta und dessen Bruder Paolo Malatesta. Ihnen ist ein Teil des V. Gesangs der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri gewidmet. In der Komödie bilden die zwei junge Leute die wichtigsten Seelen, die zur Strafe der Hölle Dantes im Kreise der Lüsternen verurteilt wurden.
Der Besuchstag in Gradara endete im Weinkeller des Restaurants La Botte mit einem fabelhaften Essen auf Basis von mittelalterlichen Speisen und Getränken: Tatsächlich inspirierte sich das Menü an einem besonderen Hochzeitsschmaus, der im späten 13. Jahrhundert stattgefunden hatte.


San Leo, die Rocca mit einem spektakulären Ausblick
Die auf einem Kalkfelsen gelegene Stadt erhielt ihren Namen vom Eremiten San Leo. Der historische Hauptort von Montefeltro wurde im 10. Jahrhundert zum Bischofssitz. Im Jahr 1213 kamen der Heilige Franziskus und 1306 Dante hier durch. In San Leo wurde die vorromanische Pfarrei von Santa Maria Assunta erbaut: Hier handelt es sich um das älteste Kultgebäude des Montefeltro, das das erste materielle Zeugnis für die Christianisierung des Gebiets darstellt.
Das 'Forte di San Leo' befindet sich auf der Felsspitze oberhalb des Orts von San Leo und überragt das Valmarecchia. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gelang es den Malatesti, die Rocca zu erobern. So lösten sie die Herrschaft der Montefeltro bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts ab. Um gegen die neuen Miltärtechniken standzuhalten, liess der junge Federico da Montefeltro 1441 die Rocca erneut erbauen. Dabei vertraute er die Aufgabe dem Ingenieur Francesco di Giorgio Martini aus Siena an. Im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude von einer Burg zu einem Gefängnis. Die berühmtesten Gefängnisinsassen waren Felice Orsini und der Abenteurer Cagliostro aus Palermo.
Von San Leo erscheinen Landschaften, die von Piero della Francesca gemalt wurden. Ganz in der Nähe wurde kürzlich der Balkon für das Gemälde von Battista Sforza eingeweiht.


Von dieser Reise verbleibt: Ein gutes Gefühl, einige Tage mit einer zwar zusammengewürfelten Gruppe verbracht zu haben, die aber die Leidenschaft für Kultur teilt. Die Erinnerung an eine Reise, die bestens von einer gut vorbereiteten und aufmerksamen Reiseleiterin, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , gepflegt wurde. Und das Gedenken an eine attraktive Region, die Marken, die dazu in der Lage ist, ihr landschaftliches, bauliches und künstlerisches Erbe in bester Weise zu fördern. Dieser Ort verdient ein internationaleres Publikum.

Fotos: Natalya und Marco Giacometti, Milena Frieden

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Andreas Kley

 

Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich das Projekt des Centro Giacometti gerne unterstütze, soweit es Zaccaria Giacometti anbelangt.
Prof. Dr. Andreas Kley, Ordinarius, Lehrstuhl für öffentliches Recht, Verfassungsgesschichte sowie Staats- und Rechtsphilisophie am Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich, 20. August 2010